Restless-Legs-Syndrom – unruhige Beine in der Nacht

Kribbeln, Ziehen und Bewegungsdrang in den Beinen am Abend? Wir klären ein Restless-Legs-Syndrom ab und begleiten die Behandlung.

Zerwühltes Bett

Überblick Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Das Wichtigste in Kürze: Beim Restless-Legs-Syndrom entsteht ein kaum zu unterdrückender Drang, die Beine zu bewegen, meist mit unangenehmen Empfindungen. Die Beschwerden treten in Ruhe auf, sind am Abend und in der Nacht am stärksten und lassen bei Bewegung nach. Das erschwert oft das Einschlafen. Ein ärztliches Gespräch und eine Blutuntersuchung genügen meist, um die Ursache zu klären und gezielt zu behandeln.

Der Name bedeutet «unruhige Beine». Fachlich wird die Erkrankung auch Willis-Ekbom-Krankheit genannt. Die Diagnose stützt sich auf vier Kernmerkmale, die alle vorliegen müssen:

Bewegungsdrang in den Beinen, meist mit unangenehmen Empfindungen wie Kribbeln, Ziehen oder innerer Unruhe.
Beginn oder Verschlechterung in Ruhe, etwa im Sitzen oder Liegen.
Besserung durch Bewegung, zumindest solange die Bewegung andauert.
Betonung am Abend und in der Nacht.

Zusätzlich dürfen die Beschwerden nicht allein durch eine andere Ursache wie Wadenkrämpfe, Durchblutungsstörungen oder eine ungünstige Liegeposition erklärbar sein. Das Restless-Legs-Syndrom ist verbreitet: In europäischen und nordamerikanischen Bevölkerungsstudien berichten 5 bis 15 Prozent der Erwachsenen über entsprechende Beschwerden, bei 2 bis 3 Prozent sind sie so ausgeprägt, dass sie behandlungsbedürftig sind. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In der Übersicht der Schlafstörungen gehört das Restless-Legs-Syndrom zur Gruppe der Bewegungsstörungen im Schlaf.

Medizinisch geprüft durch Dr. med. Cristina Zunzunegui

SGSSC Fähigkeitsausweis für Schlafmedizin, ESRS Expert Somnologist, FMH Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie · Aktualisiert: September 2026 · Quellen

Symptome: unruhige Beine, Bewegungsdrang, nächtliche Unruhe

Die Beschwerden werden sehr unterschiedlich beschrieben. Viele Betroffene tun sich schwer, sie in Worte zu fassen. Typisch ist, dass sie in Ruhe zunehmen und durch Aufstehen, Gehen oder Dehnen nachlassen.

Am Abend und in der Nacht

Kribbeln, Ziehen, Brennen, Spannungsgefühl oder ein Gefühl «wie Ameisen» in den Beinen, meist tief im Gewebe und beidseitig.
Drang, die Beine zu bewegen, aufzustehen oder umherzugehen, oft verbunden mit Unruhe.
Erschwertes Einschlafen und erschwertes Wiedereinschlafen nach nächtlichem Erwachen.
Unwillkürliche, rhythmische Zuckungen der Beine im Schlaf, die häufig der Bettpartner oder die Bettpartnerin bemerkt.

Am Tag

Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit nach unruhigen Nächten.
Beschwerden bei längerem Sitzen, etwa im Kino, im Flugzeug, im Auto oder bei Besprechungen.
In ausgeprägten Fällen Beschwerden auch tagsüber und in den Armen.

Die Beschwerden können über Wochen oder Monate schwanken und zeitweise ganz verschwinden. Unterschieden wird zwischen einem gelegentlichen und einem anhaltenden Verlauf, bei dem die Beschwerden unbehandelt mindestens zweimal pro Woche auftreten.

Ursachen und Formen

Beim Restless-Legs-Syndrom ist der Eisenstoffwechsel im Gehirn beteiligt: Untersuchungen zeigen bei Betroffenen verminderte Eisenspeicher im zentralen Nervensystem, auch wenn die Blutwerte unauffällig sind. Eisen ist an der Bildung des Botenstoffs Dopamin beteiligt, der für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist.

Familiäre Form

Bei 40 bis 60 Prozent der Betroffenen sind weitere Familienmitglieder betroffen. Diese Form beginnt oft bereits im jungen Erwachsenenalter oder in der Jugend und verläuft meist langsam fortschreitend.

Formen im Zusammenhang mit anderen Umständen

Das Restless-Legs-Syndrom tritt gehäuft im Zusammenhang mit bestimmten Umständen auf. Beobachtet wird ein Zusammenhang mit:

Eisenmangel, auch ohne Blutarmut, etwa nach Blutverlusten oder häufigem Blutspenden.
Schwangerschaft, besonders im letzten Drittel.
fortgeschrittenen Nierenerkrankungen und Dialyse.
bestimmten Medikamenten, darunter einzelne Antidepressiva, Mittel gegen Übelkeit, Neuroleptika und dämpfende Antihistaminika.
Erkrankungen der Nerven wie einer Polyneuropathie sowie weiteren neurologischen Erkrankungen.

Diese Unterscheidung ist für die Behandlung wichtig: Lässt sich ein auslösender Faktor beheben, bessern sich die Beschwerden häufig oder verschwinden ganz.

Folgen für Schlaf und Tag

Das Restless-Legs-Syndrom stört vor allem den Schlaf. Das Einschlafen ist erschwert, weil sich die Beschwerden im Liegen verstärken; nach nächtlichem Erwachen setzen sie erneut ein. Messungen im Schlaflabor zeigen bei Betroffenen einen stärker unterbrochenen Schlaf. Hinzu kommen bei vielen periodische Beinbewegungen im Schlaf: rhythmische Zuckungen, die bei mehr als 80 Prozent der untersuchten Betroffenen nachweisbar sind.

Am Tag führen die unruhigen Nächte zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und verminderter Lebensqualität. Längeres Sitzen, etwa auf Reisen oder bei der Arbeit, kann zur Belastung werden. Beobachtungsstudien finden bei Menschen mit Restless-Legs-Syndrom häufiger depressive Beschwerden und Ängste. Ob diese eine Folge der gestörten Nächte sind oder gemeinsame Ursachen haben, ist nicht abschliessend geklärt.

Abklärung Symbolbild

Abklärung beim Restless-Legs-Syndrom

Die Diagnose wird im ärztlichen Gespräch gestellt. Entscheidend ist die genaue Beschreibung der Beschwerden: wann sie auftreten, wodurch sie sich bessern und wie sie sich auf den Schlaf auswirken. Eine Messung im Schlaflabor ist für die Diagnose in der Regel nicht erforderlich.

Restless-Legs-Abklärung in der Somnoklinik

1
Sprechstunde
Gespräch zu Beschwerden, Verlauf, Familie, Schlaf, Medikamenten und Vorerkrankungen, ergänzt durch einen Fragebogen zum Schweregrad und eine körperliche und neurologische Untersuchung.
2
Blutuntersuchung
Bestimmung der Eisenspeicher (Ferritin, Eisen, Transferrinsättigung) sowie bei Bedarf der Nierenwerte.
3
Befundbesprechung
Einordnung, Diagnose und Vorschlag für das weitere Vorgehen. Die zuweisende Praxis erhält einen Bericht.

Abgrenzung zu ähnlichen Beschwerden

Mehrere Beschwerdebilder können einem Restless-Legs-Syndrom ähneln und werden in der Abklärung unterschieden:

Nächtliche Wadenkrämpfe
Plötzlich einschiessend, schmerzhaft, mit tastbar verhärtetem Muskel und kurzer Dauer; kein anhaltender Bewegungsdrang.
Polyneuropathie
Eher brennende oder taube Empfindungen, oft an den Füssen beginnend, ohne klare Besserung durch Bewegung. Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorliegen; bei Hinweisen erfolgt eine neurologische Zusatzuntersuchung.
Periodische Beinbewegungen im Schlaf
Rhythmische Zuckungen im Schlaf, die ohne Beschwerden im Wachzustand vorkommen können. Sie werden in der Polysomnographie gemessen.

Eine Nacht im Schlaflabor kommt infrage, wenn die Diagnose unsicher ist, wenn ausgeprägte Beinbewegungen den Schlaf stören oder wenn eine weitere Schlafstörung, etwa eine Schlafapnoe, vermutet wird.

Welche Untersuchung kommt infrage?

Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch und die Blutwerte. Wie periodische Beinbewegungen im Schlaflabor gemessen werden, ist auf der Diagnostikseite beschrieben.

Behandlung: von der Eisenbestimmung bis zur medikamentösen Therapie

Ob und wie behandelt wird, richtet sich nach der Häufigkeit und Stärke der Beschwerden und nach ihren Auswirkungen auf Schlaf und Alltag. Bei leichten oder gelegentlichen Beschwerden genügen oft Massnahmen im Alltag.

Auslösende Faktoren beheben

Am Anfang steht die Suche nach verstärkenden Faktoren: Schlafmangel, Alkohol, Koffein, eine unbehandelte Schlafapnoe oder Medikamente, welche die Beschwerden verstärken können. Medikamente werden nicht eigenmächtig abgesetzt, sondern ärztlich überprüft und gegebenenfalls umgestellt.

Eisen

Sind die Eisenspeicher niedrig, wird Eisen ergänzt, als Tabletten oder bei unzureichender Wirkung als Infusion. Beim Restless-Legs-Syndrom werden dabei höhere Zielwerte angestrebt als bei der gewöhnlichen Behandlung eines Eisenmangels. Ein Eisenmangel wird zudem auf seine Ursache hin abgeklärt.

Massnahmen im Alltag

Regelmässige, mässige Bewegung, etwa Gehen, Velofahren oder Yoga.
Geistig fordernde Tätigkeiten in Ruhephasen, zum Beispiel Kreuzworträtsel oder Arbeit am Computer.
Bei einsetzenden Beschwerden: warmes Fussbad, Massage der Beine oder Kompression.

Verhaltensmedizinische Begleitung

Wer seit langer Zeit schlecht schläft, entwickelt oft Muster, die den Schlaf zusätzlich belasten. Hier setzt die Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen an. Sie hilft, den Umgang mit den Beschwerden zu verbessern und den Schlaf zu stabilisieren; erste Studien zeigen, dass gezielte kognitive Strategien die Beschwerden verringern können.

Medikamentöse Behandlung

Bei anhaltenden, belastenden Beschwerden kommen Medikamente infrage. Die aktuelle Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Schlafmedizin bevorzugt heute Wirkstoffe, die an den Nervenzellen die Reizweiterleitung dämpfen. Dopaminerge Medikamente wirken ebenfalls, werden aber zurückhaltender eingesetzt: Bei längerer Einnahme kann es zu einer sogenannten Augmentation kommen, einer Verstärkung der Beschwerden, die früher am Tag beginnen und sich auf andere Körperteile ausdehnen. Bei schweren, anders nicht beherrschbaren Verläufen stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Auswahl, Dosierung und Verlaufskontrolle erfolgen ärztlich begleitet.

Mehr zu den Behandlungen

Bausteine und Ablauf der Verhaltenstherapie sind auf der Therapieseite beschrieben.

Häufige Fragen zum Restless-Legs-Syndrom

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Unruhige Beine abklären lassen

Die Somnoklinik klärt ab, ob ein Restless-Legs-Syndrom vorliegt, sucht nach behandelbaren Ursachen und begleitet die Behandlung.

Zuweisung bei Verdacht auf ein Restless-Legs-Syndrom

Die Somnoklinik übernimmt die Abklärung und Behandlung des Restless-Legs-Syndroms und der periodischen Beinbewegungen im Schlaf, die Beurteilung einer medikamentösen Behandlung und die Betreuung bei komplizierten Verläufen. 

Quellen