Kribbeln, Ziehen und Bewegungsdrang in den Beinen am Abend? Wir klären ein Restless-Legs-Syndrom ab und begleiten die Behandlung.

Das Wichtigste in Kürze: Beim Restless-Legs-Syndrom entsteht ein kaum zu unterdrückender Drang, die Beine zu bewegen, meist mit unangenehmen Empfindungen. Die Beschwerden treten in Ruhe auf, sind am Abend und in der Nacht am stärksten und lassen bei Bewegung nach. Das erschwert oft das Einschlafen. Ein ärztliches Gespräch und eine Blutuntersuchung genügen meist, um die Ursache zu klären und gezielt zu behandeln.
Der Name bedeutet «unruhige Beine». Fachlich wird die Erkrankung auch Willis-Ekbom-Krankheit genannt. Die Diagnose stützt sich auf vier Kernmerkmale, die alle vorliegen müssen:
Zusätzlich dürfen die Beschwerden nicht allein durch eine andere Ursache wie Wadenkrämpfe, Durchblutungsstörungen oder eine ungünstige Liegeposition erklärbar sein. Das Restless-Legs-Syndrom ist verbreitet: In europäischen und nordamerikanischen Bevölkerungsstudien berichten 5 bis 15 Prozent der Erwachsenen über entsprechende Beschwerden, bei 2 bis 3 Prozent sind sie so ausgeprägt, dass sie behandlungsbedürftig sind. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In der Übersicht der Schlafstörungen gehört das Restless-Legs-Syndrom zur Gruppe der Bewegungsstörungen im Schlaf.
SGSSC Fähigkeitsausweis für Schlafmedizin, ESRS Expert Somnologist, FMH Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie · Aktualisiert: September 2026 · Quellen
Die Beschwerden werden sehr unterschiedlich beschrieben. Viele Betroffene tun sich schwer, sie in Worte zu fassen. Typisch ist, dass sie in Ruhe zunehmen und durch Aufstehen, Gehen oder Dehnen nachlassen.
Die Beschwerden können über Wochen oder Monate schwanken und zeitweise ganz verschwinden. Unterschieden wird zwischen einem gelegentlichen und einem anhaltenden Verlauf, bei dem die Beschwerden unbehandelt mindestens zweimal pro Woche auftreten.
Beim Restless-Legs-Syndrom ist der Eisenstoffwechsel im Gehirn beteiligt: Untersuchungen zeigen bei Betroffenen verminderte Eisenspeicher im zentralen Nervensystem, auch wenn die Blutwerte unauffällig sind. Eisen ist an der Bildung des Botenstoffs Dopamin beteiligt, der für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist.
Bei 40 bis 60 Prozent der Betroffenen sind weitere Familienmitglieder betroffen. Diese Form beginnt oft bereits im jungen Erwachsenenalter oder in der Jugend und verläuft meist langsam fortschreitend.
Das Restless-Legs-Syndrom tritt gehäuft im Zusammenhang mit bestimmten Umständen auf. Beobachtet wird ein Zusammenhang mit:
Diese Unterscheidung ist für die Behandlung wichtig: Lässt sich ein auslösender Faktor beheben, bessern sich die Beschwerden häufig oder verschwinden ganz.

Das Restless-Legs-Syndrom stört vor allem den Schlaf. Das Einschlafen ist erschwert, weil sich die Beschwerden im Liegen verstärken; nach nächtlichem Erwachen setzen sie erneut ein. Messungen im Schlaflabor zeigen bei Betroffenen einen stärker unterbrochenen Schlaf. Hinzu kommen bei vielen periodische Beinbewegungen im Schlaf: rhythmische Zuckungen, die bei mehr als 80 Prozent der untersuchten Betroffenen nachweisbar sind.
Am Tag führen die unruhigen Nächte zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und verminderter Lebensqualität. Längeres Sitzen, etwa auf Reisen oder bei der Arbeit, kann zur Belastung werden. Beobachtungsstudien finden bei Menschen mit Restless-Legs-Syndrom häufiger depressive Beschwerden und Ängste. Ob diese eine Folge der gestörten Nächte sind oder gemeinsame Ursachen haben, ist nicht abschliessend geklärt.

Die Diagnose wird im ärztlichen Gespräch gestellt. Entscheidend ist die genaue Beschreibung der Beschwerden: wann sie auftreten, wodurch sie sich bessern und wie sie sich auf den Schlaf auswirken. Eine Messung im Schlaflabor ist für die Diagnose in der Regel nicht erforderlich.
Mehrere Beschwerdebilder können einem Restless-Legs-Syndrom ähneln und werden in der Abklärung unterschieden:
Eine Nacht im Schlaflabor kommt infrage, wenn die Diagnose unsicher ist, wenn ausgeprägte Beinbewegungen den Schlaf stören oder wenn eine weitere Schlafstörung, etwa eine Schlafapnoe, vermutet wird.
Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch und die Blutwerte. Wie periodische Beinbewegungen im Schlaflabor gemessen werden, ist auf der Diagnostikseite beschrieben.
Ob und wie behandelt wird, richtet sich nach der Häufigkeit und Stärke der Beschwerden und nach ihren Auswirkungen auf Schlaf und Alltag. Bei leichten oder gelegentlichen Beschwerden genügen oft Massnahmen im Alltag.
Am Anfang steht die Suche nach verstärkenden Faktoren: Schlafmangel, Alkohol, Koffein, eine unbehandelte Schlafapnoe oder Medikamente, welche die Beschwerden verstärken können. Medikamente werden nicht eigenmächtig abgesetzt, sondern ärztlich überprüft und gegebenenfalls umgestellt.
Sind die Eisenspeicher niedrig, wird Eisen ergänzt, als Tabletten oder bei unzureichender Wirkung als Infusion. Beim Restless-Legs-Syndrom werden dabei höhere Zielwerte angestrebt als bei der gewöhnlichen Behandlung eines Eisenmangels. Ein Eisenmangel wird zudem auf seine Ursache hin abgeklärt.
Wer seit langer Zeit schlecht schläft, entwickelt oft Muster, die den Schlaf zusätzlich belasten. Hier setzt die Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen an. Sie hilft, den Umgang mit den Beschwerden zu verbessern und den Schlaf zu stabilisieren; erste Studien zeigen, dass gezielte kognitive Strategien die Beschwerden verringern können.
Bei anhaltenden, belastenden Beschwerden kommen Medikamente infrage. Die aktuelle Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Schlafmedizin bevorzugt heute Wirkstoffe, die an den Nervenzellen die Reizweiterleitung dämpfen. Dopaminerge Medikamente wirken ebenfalls, werden aber zurückhaltender eingesetzt: Bei längerer Einnahme kann es zu einer sogenannten Augmentation kommen, einer Verstärkung der Beschwerden, die früher am Tag beginnen und sich auf andere Körperteile ausdehnen. Bei schweren, anders nicht beherrschbaren Verläufen stehen weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Auswahl, Dosierung und Verlaufskontrolle erfolgen ärztlich begleitet.
Bausteine und Ablauf der Verhaltenstherapie sind auf der Therapieseite beschrieben.


Die Somnoklinik klärt ab, ob ein Restless-Legs-Syndrom vorliegt, sucht nach behandelbaren Ursachen und begleitet die Behandlung.
Die Somnoklinik übernimmt die Abklärung und Behandlung des Restless-Legs-Syndroms und der periodischen Beinbewegungen im Schlaf, die Beurteilung einer medikamentösen Behandlung und die Betreuung bei komplizierten Verläufen.
