Polysomnographie – die umfassende Schlafmessung

Die Polysomnographie zeichnet während einer ganzen Nacht auf, was im Schlaf geschieht: Hirnströme, Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzrhythmus, Muskelspannung und Bewegungen. Sie ist die genaueste Untersuchung der Schlafmedizin.

Zerwühltes Bett

Überblick Polysomnographie

Das Wichtigste in Kürze: Die Polysomnographie ist die umfassendste Schlafuntersuchung. Sie findet über eine Nacht im Schlaflabor statt und erfasst gleichzeitig Hirnströme, Augenbewegungen, Muskelspannung, Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzrhythmus und Körperlage. Daraus entsteht ein Bild des gesamten Schlafverlaufs. Die Untersuchung ist schmerzfrei; die Sensoren werden auf der Haut angebracht.

Weil sie als einzige Untersuchung die Hirnströme aufzeichnet, lässt sich mit ihr bestimmen, wann jemand tatsächlich schläft, in welchen Schlafstadien und wie oft der Schlaf unterbrochen wird. Diese Information ist der Grund, weshalb sie bei unklaren oder mehrschichtigen Fragestellungen eingesetzt wird.

Medizinisch geprüft durch Dr. med. Cristina Zunzunegui

SGSSC Fähigkeitsausweis für Schlafmedizin, ESRS Expert Somnologist, FMH Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie · Aktualisiert: September 2026 · Quellen

Wann eine Polysomnographie sinnvoll ist

Die Polysomnographie steht nicht am Anfang jeder Abklärung. Bei einer Insomnie etwa beruht die Diagnose auf dem ärztlichen Gespräch und dem Schlafprotokoll; eine Messnacht ist dort nicht der Regelfall. Angezeigt ist sie, wenn:

eine ambulante Messung unklar geblieben ist oder nicht zum Beschwerdebild passt,
der Verdacht auf eine Störung besteht,  die sich nur mit Hirnstrommessung erfassen lässt – etwa Bewegungsstörungen im Schlaf oder Parasomnien wie Schlafwandeln,
mehrere Schlafstörungen gleichzeitig vermutet werden,
eine begonnene Behandlung nicht wirkt und die Ursache dafür gesucht wird,
ein deutliches Missverhältnis besteht zwischen dem erlebten und dem messbaren Schlaf,
berufliche Anforderungen eine gesicherte Beurteilung verlangen.
Abklärung Symbolbild

Ablauf der Untersuchung

1
Anlegen der Sensoren
Elektroden auf der Kopfhaut zeichnen die Hirnströme auf, weitere im Gesicht die Augenbewegungen und die Muskelspannung am Kinn. Dehnbare Gurte um Brust und Bauch erfassen die Atembewegung, ein Sensor an der Nase den Atemfluss. Dazu kommen ein Clip am Finger für die Sauerstoffsättigung, Klebeelektroden für das Herz und Sensoren an den Unterschenkeln für Beinbewegungen. Das Anlegen dauert rund eine halbe Stunde und ist schmerzfrei.
2
Aufzeichnung über die Nacht
Alle Kanäle laufen gleichzeitig und durchgehend mit, ergänzt durch Video und Mikrofon. Fachpersonal überwacht die Signalqualität und korrigiert bei Bedarf einen Sensor, damit die Aufzeichnung nicht lückenhaft wird.
3
Auswertung
Die Aufzeichnung wird anschliessend abschnittsweise durchgesehen: Die Schlafstadien werden bestimmt und jedes Ereignis einzeln beurteilt – Atempausen, Sauerstoffabfälle, Weckreaktionen, Beinbewegungen. Erst daraus entstehen die Kennwerte.

Unterschied zu anderen Verfahren

Respiratorische Polygraphie

Die ambulante Messung zuhause erfasst Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Körperlage, jedoch keine Hirnströme. Sie kann deshalb nicht bestimmen, ob und wann jemand schläft. Für den Verdacht auf eine Schlafapnoe reicht sie oft aus.

Aktigraphie

Ein am Handgelenk getragener Bewegungssensor erfasst über zwei bis drei Wochen den Schlaf-Wach-Rhythmus. Er zeigt Muster über die Zeit, nicht die Vorgänge einer einzelnen Nacht.

MSLT und MWT

Messungen am Tag. Sie beantworten eine andere Frage: wie schläfrig jemand tagsüber ist beziehungsweise wie lange er wach bleiben kann.

Smartwatch und Schlaf-Apps

Sie schätzen den Schlaf über Bewegung und Puls. Für den Alltag interessant, für eine Diagnose nicht geeignet – Schlafstadien lassen sich damit nicht zuverlässig bestimmen.

Was gemessen wird

EEG – Hirnströme
Schlafstadien, Tiefe des Schlafs, kurze Weckreaktionen
EOG – Augenbewegungen
Abgrenzung des Traumschlafs von den übrigen Stadien
EMG – Muskelspannung
Erschlaffung im Traumschlaf, Anspannung beim Aufwachen
Atemfluss und Atembewegung
Atempausen und flache Atmung, Unterscheidung der Formen
Pulsoximetrie
Sauerstoffsättigung im Blut und deren Abfälle
EKG
Herzrhythmus und dessen Veränderungen über die Nacht
Beinsensoren
Periodische Beinbewegungen im Schlaf
Mikrofon
Schnarchen
Video
Verhalten im Schlaf, etwa Aufstehen oder Umsichschlagen
Körperlage
Lageabhängigkeit der Beschwerden

Was die Ergebnisse zeigen

Aus den Aufzeichnungen entsteht ein Schlafprofil, das sogenannte Hypnogramm. Es bildet den Verlauf der Nacht ab: wann jemand eingeschlafen ist, wie sich Leicht-, Tief- und Traumschlaf abgewechselt haben und wo der Schlaf unterbrochen wurde.

Daraus ergeben sich mehrere Kennwerte. Die Einschlafdauer und die nächtliche Wachzeit zeigen, wie der Schlaf beginnt und ob er hält. Die Schlafeffizienz beschreibt, welcher Anteil der Zeit im Bett tatsächlich geschlafen wurde. Der Apnoe-Hypopnoe-Index gibt an, wie viele Atempausen und flache Atemzüge pro Stunde auftreten – er bestimmt den Schweregrad einer Schlafapnoe. Weckreaktionen, Sauerstoffabfälle und Beinbewegungen werden ebenfalls je Stunde ausgewiesen.

Wichtig ist die Einordnung: Zahlen allein ergeben keine Diagnose. Entscheidend ist, ob und wie die Messwerte zu den Beschwerden passen. Das Ergebnis wird deshalb in einem eigenen Termin besprochen; die zuweisende Praxis erhält einen schriftlichen Bericht.

Symbolbild Anreise

Vorbereitung

Am Untersuchungstag auf Alkohol verzichten und Koffein nur wie gewohnt und nicht am Nachmittag.
Keinen Tagschlaf halten, damit das Einschlafen besser gelingt.
Den gewohnten Tagesablauf beibehalten und nicht bewusst müde ankommen.
Haare waschen und keine Pflegeprodukte verwenden – die Elektroden halten sonst schlechter.
Nagellack an mindestens einem Finger entfernen, damit der Sensor für die Sauerstoffsättigung zuverlässig misst.
Medikamente mitbringen und wie gewohnt einnehmen, sofern nichts anderes besprochen wurde.

Abweichungen von diesen Vorbereitungsempfehlungen sind nicht selten und werden im Einzelfall mit dem Fachteam besprochen. 

Häufige Fragen

Kontakt Symbolbild

Untersuchung im Schlaflabor.

Ob eine Polysomnographie nötig ist, ergibt sich aus dem ärztlichen Gespräch und den bisherigen Befunden.

Hinweise für Zuweisende

Wir bitten um Angabe der Fragestellung sowie um vorhandene Vorbefunde, insbesondere frühere Messungen, aktuelle Medikation und relevante Begleiterkrankungen. Der Befund umfasst Hypnogramm, Schlafeffizienz, Apnoe-Hypopnoe-Index, Sauerstoffsättigungsverlauf, Weckreaktionen und periodische Beinbewegungen, ergänzt um die Einordnung und einen Therapievorschlag. Nach Eingang der Zuweisung melden wir uns innerhalb von zwei Arbeitstagen bei der zuweisenden Praxis.

Quellen