Langes Wachliegen, nächtliches Erwachen, Erschöpfung am Tag? Wir klären eine Insomnie ab und behandeln sie mit kognitiver Verhaltenstherapie.

Das Wichtigste in Kürze: Bei einer Insomnie gelingt das Einschlafen oder das Durchschlafen über längere Zeit nicht, und die Beschwerden wirken sich auf den Tag aus. Als chronisch gilt sie ab einer Dauer von drei Monaten mit Beschwerden in mindestens drei Nächten pro Woche. Behandlung der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie. Schlafmittel sind für kurze Zeiträume vorgesehen.
Umgangssprachlich wird von Schlaflosigkeit gesprochen, fachlich von einer Ein- und Durchschlafstörung; der medizinische Begriff lautet Insomnie, englisch insomnia. Gemeint ist nicht die einzelne unruhige Nacht, sondern ein Muster, das über Wochen bestehen bleibt und sich auch am Tag auswirkt.
Die Insomnie ist die häufigste Schlafstörung und tritt in jedem Lebensalter auf. In der Schweiz berichtet gut ein Drittel der Personen, die eine Hausarztpraxis aufsuchen, über Schlafbeschwerden; rund 11 Prozent erfüllen die Kriterien einer chronischen Insomnie. Sie gilt als eigenständiges Krankheitsbild und nicht als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen. Abklärung und Behandlung erfolgen deshalb gezielt, auch bei gleichzeitig bestehenden körperlichen oder psychischen Erkrankungen.
SGSSC Fähigkeitsausweis für Schlafmedizin, ESRS Expert Somnologist, FMH Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie · Aktualisiert: September 2026 · Quellen
Die Beschwerden betreffen die Nacht und den Tag. Beide Ebenen sind für die Beurteilung gleich bedeutsam: Schlechter Schlaf ohne Auswirkungen auf das Befinden am Tag erfüllt die Kriterien einer Insomnie nicht.
Ein wichtiger Unterschied: Bei einer Insomnie besteht Erschöpfung, unfreiwilliges Einschlafen am Tag ist dagegen untypisch. Wer regelmässig im Sitzen, beim Lesen oder am Steuer einnickt, weist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine andere oder zusätzliche Schlafstörung auf. Das erfordert eine gesonderte Abklärung.
Vorübergehend gestörter Schlaf nach Belastung, Prüfung oder Infekt ist eine normale Reaktion. Von einer chronischen Insomnie wird gesprochen, wenn vier Kriterien zusammentreffen: Die Beschwerden treten in mindestens drei Nächten pro Woche auf, bestehen seit mindestens drei Monaten, beeinträchtigen das Befinden am Tag und liegen vor, obwohl ausreichend Gelegenheit zum Schlafen besteht.
Das letzte Kriterium grenzt die Insomnie vom Schlafmangel ab: Wer wegen Schichtdienst, Betreuungsaufgaben oder langer Arbeitszeiten zu wenig Zeit im Bett verbringt, schläft zu kurz, hat aber keine Insomnie. Eine feste Minutengrenze, etwa dreissig Minuten Einschlafzeit, ist für die Diagnose nicht erforderlich; solche Werte dienen der Verlaufskontrolle und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht. Die Dreimonatsgrenze bedeutet allerdings nicht, dass bis dahin zugewartet werden müsste: Sind die Beschwerden stark ausgeprägt, sollten sie früher behandelt werden, um zu verhindern, dass sich daraus eine chronische Insomnie entwickelt.
Frauen berichten im Durchschnitt häufiger über Insomniebeschwerden als Männer. Hormonelle Umstellungen, etwa in den Wechseljahren, tragen dazu bei, erklären den Unterschied jedoch nicht vollständig. Mit zunehmendem Alter wird der Schlaf leichter und störanfälliger, und die zeitliche Lage des Schlafs verschiebt sich nach vorn. Häufigeres nächtliches Erwachen im Alter ist deshalb nicht zwingend krankhaft. Bestehen Beeinträchtigungen am Tag, ist eine Abklärung dennoch angezeigt: Eine chronische Insomnie ist keine zwangsläufige Folge des Älterwerdens.
Die heutige Einteilung richtet sich nach der Dauer. Eine kurzzeitige Insomnie steht meist in direktem Zusammenhang mit einem Auslöser und klingt ab, wenn dieser wegfällt. Bestehen die Beschwerden länger als drei Monate, liegt eine chronische Insomnie vor.
Die frühere Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Insomnie wurde aufgegeben. Das hat praktische Folgen: Auch bei gleichzeitig bestehender Depression, Schmerzerkrankung oder anderer Diagnose wird die Insomnie eigenständig diagnostiziert und behandelt. Ein Abwarten bis zur Besserung der Begleiterkrankung ist nicht indiziert.
Am Anfang steht in der Regel ein Auslöser: berufliche Belastung, ein Verlust, eine Erkrankung, Schmerzen oder ein Wechsel der Arbeitszeiten. Zur chronischen Störung wird die Insomnie durch aufrechterhaltende Faktoren, die sich anschliessend entwickeln:
Fachlich wird dieser Zustand als Hyperarousal bezeichnet: ein erhöhtes körperliches und gedankliches Erregungsniveau, das trotz Müdigkeit bestehen bleibt. Das Bett wird dabei nicht mehr mit Ruhe, sondern mit Anspannung verknüpft. Eine Insomnie kann deshalb fortbestehen, nachdem der ursprüngliche Auslöser weggefallen ist. Die Behandlung setzt an diesen aufrechterhaltenden Faktoren an.
Gestörter Schlaf kann auch Ausdruck einer anderen Erkrankung sein. Zur Abklärung gehört, folgende Ursachen zu erkennen oder auszuschliessen:

Eine anhaltende Schlaflosigkeit beeinträchtigt Lebensqualität, Stimmung, Konzentration und Arbeitsfähigkeit sowie die Sicherheit im Strassenverkehr und am Arbeitsplatz. Häufig kommt ein Rückzug aus sozialen und sportlichen Aktivitäten hinzu.
Längsschnittuntersuchungen zeigen, dass eine unbehandelte Insomnie das Risiko für eine spätere Depression erhöht. Auswertungen grosser Datensätze finden zudem Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Beobachtungen zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht, dass die Insomnie die Ursache ist. Alter, Vorerkrankungen, Medikamente und Lebensstil haben ebenfalls Einfluss.
Hinzu kommt ein behandlungsbezogenes Risiko: Schlafmittel, die für wenige Wochen vorgesehen sind, werden häufig über Jahre eingenommen. Wirkung und Verträglichkeit nehmen dabei ab, während Risiken wie Stürze, Gedächtnisstörungen und Abhängigkeit zunehmen.

Die Diagnose einer Insomnie beruht auf der ärztlichen Beurteilung und den Aufzeichnungen der betroffenen Person. Apparative Untersuchungen dienen dazu, andere Schlafstörungen zu erkennen oder auszuschliessen; sie sind bei einer Insomnie nicht der Regelfall.
Eine Messung im Schlaflabor ist bei einer Insomnie nicht der Regelfall. Sie erfolgt gezielt bei Hinweisen auf eine zusätzliche Schlafstörung. Angaben zu Ablauf, Dauer und Aussagekraft der Verfahren finden sich auf den Diagnostikseiten.
Behandlungsbedürftig ist eine Insomnie, wenn sie über Monate anhält und das Befinden am Tag beeinträchtigt – unabhängig von der rechnerischen Schlafdauer. Kurzzeitige Schlafprobleme klingen dagegen meist mit ihrem Auslöser ab und erfordern keine Therapie.
Grundlage sind Massnahmen im Alltag, zusammengefasst unter dem Begriff Schlafhygiene: eine regelmässige Aufstehzeit, Tageslicht am Morgen, körperliche Aktivität, ein bewusster Umgang mit Koffein und Alkohol sowie eine ruhige Schlafumgebung. Bei einer chronischen Schlaflosigkeit reicht Schlafhygiene allein nicht aus. Bestehen die Beschwerden trotz günstiger Gewohnheiten weiter, ist eine gezielte Behandlung angezeigt. Je nach Befund kommen infrage:
Das Angebot der Somnoklinik: Die kognitive Verhaltenstherapie wird ambulant durchgeführt, einzeln oder in der Gruppe. Digitale Programme im App-Format werden fachlich begleitet. Eine stationäre Behandlung bietet die Klinik nicht an; ist sie angezeigt, erfolgt eine Zuweisung an ein entsprechendes Angebot.
Bausteine, Ablauf und Wirksamkeit sind auf den Therapieseiten beschrieben.


Die Somnoklinik klärt ab, welche Ursache den Schlaf stört, und behandelt die Insomnie gezielt.
Die Somnoklinik übernimmt Abklärung und Behandlung der chronischen Insomnie, einschliesslich der Abgrenzung gegenüber anderen Schlafstörungen, der kognitiven Verhaltenstherapie und der Begleitung beim Ausschleichen einer langjährigen Schlafmedikation.
